Tennis-Ratgeber für Anfänger – warum sich der Einstieg in jedem Alter lohnt
Tennis ist schick, dynamisch und hält unglaublich fit. Kein Wunder, dass dieser Sport weltweit Millionen Menschen fasziniert. Wenn du schon einmal gebannt vor dem Fernseher gesessen und das legendäre Grün von Wimbledon bewundert hast – mit dem weißen Dresscode, den dramatischen Ballwechseln und den Erdbeeren mit Sahne – hast du dich bestimmt gefragt: Wie schwer ist der Einstieg eigentlich? Die Antwort ist simpel. Jeder kann Tennis spielen lernen, unabhängig von Alter oder sportlicher Vorerfahrung.
Allerdings wirkt der Einstieg oft etwas einschüchternd. Welcher Schläger ist der richtige? Wie werden die Punkte gezählt? Und wie bringt man den Ball überhaupt kontrolliert über das Netz? Genau hier setzt dieser Ratgeber an. Wir begleiten dich Schritt für Schritt bei deinen ersten Schritten auf dem Court und zeigen dir, dass Tennis für Anfänger gar nicht so kompliziert sein muss. Vom ersten Schlägerkauf über Vor- und Rückhand bis hin zu den offiziellen Regeln: Mit diesem Leitfaden voller Tennis-Tipps für Anfänger kannst du schon bald deine ersten Ballwechsel genießen und wirst schnell merken, dass Tennis lernen richtig viel Spaß macht!
Die richtige Tennisausrüstung: Was du für den Start wirklich brauchst
Bevor du überhaupt den Platz betrittst, steht die Frage nach dem passenden Equipment an. Die gute Nachricht vorweg: Du musst zu Beginn kein Vermögen ausgeben.
Der passende Tennisschläger für Anfänger
Betrachte den Schläger als die natürliche Verlängerung deines Arms… ohne ihn läuft auf dem Platz gar nichts. Wenn du direkt einen Tennisschläger kaufen möchtest, solltest du als Einsteiger nicht einfach zum Modell deines Lieblingsprofis greifen. Profischläger sind oft schwer, haben einen kleinen Kopf und verzeihen kaum Fehler.
Achte stattdessen auf folgende Kriterien, wenn du einen Tennisschläger für Anfänger suchst:
- Die Kopfgröße (Schlagfläche): Wähle einen Schläger mit einem größeren Kopf (Oversize oder Midplus, ca. 645 bis 680 cm² / 100 bis 105 Quadratzoll). Das vergrößert den sogenannten Sweet Spot, also den Bereich, in dem du den Ball optimal triffst.
- Das Gewicht: Ein leichterer Schläger (ca. 260 bis 285 Gramm für Erwachsene) lässt sich einfacher schwingen und schont die Gelenke.
- Die Griffstärke: Greife den Schläger und mach den Zeigefinger-Test: Wenn du die Hand um den Griff schließt, sollte zwischen den Fingerspitzen und dem Handballen eine Zeigefinger-breite Lücke sein. Passt dein Zeigefinger perfekt in die Lücke, ist der Griff ideal. Tipp: Greife im Zweifel immer zur kleineren Griffstärke.
Die richtigen Tennisschuhe (wichtig für deine Gelenke)
Viele Anfänger holen einfach die alten Laufschuhe aus dem Schrank. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auf vielen Tennisplätzen auch gar nicht erlaubt. Laufschuhe haben oft ein grobes Profil, das den empfindlichen Platzbelag beschädigen kann, ganz zu schweigen von der erhöhten Verletzungsgefahr aufgrund der mangelnden Seitenstabilität.
Gute Tennisschuhe sind dagegen speziell für die schnellen Richtungswechsel, abrupten Stopps und Seitwärtsbewegungen beim Tennis entworfen:
- Stabilität: Sie geben deinem Knöchel festen Halt, um ein Umknicken zu verhindern.
- Die Sohle: Auf Sandplätzen (Clay) brauchst du Schuhe mit einem feinen Fischgrätenprofil für optimalen Grip und kontrolliertes Rutschen. Auf Hartplätzen (Allcourt) oder in der Halle (Teppichboden ohne Profil) gelten jeweils andere Anforderungen.
Sonstiges Zubehör für den Start
Ergänzt wird deine Tennisausrüstung durch ein paar Kleinigkeiten:
- Die richtigen Tennisbälle: Für absolute Anfänger gibt es druckreduzierte Bälle (oft als „Play & Stay“ oder Methodikbälle gekennzeichnet). Sie fliegen etwas langsamer und springen flacher ab, was dir deutlich mehr Zeit gibt, den Ball richtig zu treffen.
- Bequeme Sportkleidung: Am besten atmungsaktiv und mit Taschen in der Hose oder dem Rock, damit du beim Aufschlag direkt den zweiten Ball griffbereit hast.
Die wichtigsten Schläge für Anfänger: Vorhand, Rückhand und Aufschlag
Jetzt wird es sportlich! Sobald du deine Ausrüstung beisammen hast, geht es an die Praxis. Tennis mag auf den ersten Blick technisch anspruchsvoll wirken, aber du musst kein Bewegungskünstler sein, um den Ball kontrolliert über das Netz zu bringen. Wenn du die drei Grundschläge, das heißt Vorhand, Rückhand und Aufschlag, einmal verstanden hast, steht den ersten echten Ballwechseln nichts mehr im Weg.
Aller Anfang ist leicht: Vorhand und Rückhand lernen
Die Vorhand und die Rückhand sind dein täglich Brot auf dem Platz. Sie sind die Schläge, mit denen du das Spiel im Fluss hältst.
Vorhand: Als Rechtshänder schlägst du die Vorhand auf deiner rechten Körperseite (als Linkshänder links). Tennisanfänger bevorzugen sie meist gegenüber der Rückhand. Du kannst sie ein- oder beidhändig spielen (beidhändig für mehr Stabilität, einhändig für mehr Reichweite und Flexibilität).
So funktioniert’s: Stell dich leicht seitlich zum Netz auf, hole den Schläger frühzeitig nach hinten aus und triff den Ball ein Stück vor deinem Körper. Zieh den Schläger nach dem Ballkontakt geschmeidig über deine gegenüberliegende Schulter.
Rückhand: Die Rückhand wird ganz einfach auf der anderen Seite gespielt. Du wirst schnell merken, dass Einsteiger die Rückhand anfangs meist beidhändig spielen. Das ist völlig richtig so! Die zweite Hand gibt dir zusätzliche Stabilität und Kraft.
Tipp: Lass die Beine arbeiten. Nur wenn du gut zum Ball stehst, kannst du die Bewegung flüssig aus der Hüfte heraus zu Ende führen.
Ohne geht es nicht: Tennis Aufschlag lernen
Jedes Match beginnt mit ihm… dem Aufschlag. Er ist der einzige Schlag im Tennis, den du völlig unabhängig vom Gegner und in aller Ruhe ausführen kannst. Trotzdem gehört er zu den anspruchsvollsten Bewegungsabläufen. Wenn du den Tennis Aufschlag lernen möchtest, solltest du die Bewegung am Anfang in zwei Teile zerlegen:
Der Ballwurf: Das ist das eigentliche Geheimnis eines guten Aufschlags. Wirf den Ball mit gestrecktem Arm gerade und kontrolliert nach oben, am besten so, dass er leicht vor dir landen würde, wenn du ihn nicht schlagen würdest.
Die Schlagbewegung: Führe den Schläger hinter deinem Rücken vorbei (wie bei einer Wurfbewegung) und triff den Ball am höchsten Punkt mit gestrecktem Arm.
Am Anfang geht es um Kontrolle, nicht um Geschwindigkeit. Versuche erst gar nicht, die Bälle wie die Profis übers Netz zu jagen. Ein weicher, platzierter Ball ist anfangs viel effektiver. Hier ein kurzes Video vom Aufschlag.
Tennis Regeln einfach erklärt
Wenn du Tennis im Fernsehen einschaltest, wirkt das Spielfeld mit seinen vielen Linien oft unübersichtlich, und die Zählweise klingt für Außenstehende wie eine eigene Geheimsprache. Aber keine Sorge: Das System dahinter ist eigentlich ganz logisch. Wer tiefer einsteigen möchte, findet das komplette, offizielle Regelwerk direkt beim Deutschen Tennis Bund.
Das Spielfeld: Wer steht wo?
Das Feld ist ein Rechteck, das durch das Netz in zwei Hälften geteilt wird. Für Einsteiger sind vor allem zwei Linien-Kombinationen wichtig:
- Einzel vs. Doppel: Die äußeren Längslinien (die sogenannten „Doppelkorridore“) zählen nur, wenn vier Spieler auf dem Platz stehen. Spielst du ein Einzel (eins gegen eins), ist das Feld schmaler und jeder Ball, der außerhalb der Innenlinien landet, ist im Aus.
- Das Aufschlagfeld: Die kleinen Vierecke direkt vor dem Netz sind die Aufschlagfelder (Serviceboxen). Wenn du aufschlägst, muss der Ball immer diagonal über das Netz im gegenüberliegenden Aufschlagfeld des Gegners landen.
Das Buch mit sieben Siegeln: Tennis Punkte zählen
Die Zählweise im Tennis ist auf den ersten Blick ziemlich kurios. Statt einfach 1, 2, 3 zu zählen, nutzt man 15, 30 und 40.
So funktioniert das Punkte zählen im Detail:
- 0 Punkte = „Love“ (wird beim Ansagen oft so genannt)
- 1. Punkt = 15
- 2. Punkt = 30
- 3. Punkt = 40
- 4. Punkt = Spielgewinn
Was passiert bei 40:40?
Steht es 40:40, nennt man das Einstand (Deuce). Jetzt reichen keine einfachen Punkte mehr für den Spielgewinn. Ein Spieler muss zwei Punkte Vorsprung erzielen:
- Wer den nächsten Punkt macht, hat Vorteil (Advantage).
- Macht derselbe Spieler noch einen Punkt, gewinnt er das Spiel. Macht der Gegner den Punkt, geht es zurück zum Einstand.
Spiel, Satz und Sieg
Ein Tennisspiel ist in drei Ebenen unterteilt:
- Das Spiel (Game): Wer zuerst 4 Punkte hat (mit zwei Punkten Vorsprung), gewinnt ein Spiel.
- Der Satz (Set): Wer zuerst 6 Spiele gewinnt (ebenfalls mit mindestens zwei Spielen Vorsprung, z. B. 6:4), gewinnt den Satz. Steht es 6:6, gibt es meist einen sogenannten „Tie-Break“ (eine schnelle Entscheidungsrunde bis 7 Punkte), um den Satz zu entscheiden.
- Das Match: Um das gesamte Match zu gewinnen, musst du im Freizeitsport in der Regel zwei Sätze für dich entscheiden („Best-of-Three“).
Die ersten Schritte auf dem Platz
Die Theorie sitzt, die Ausrüstung ist im Kopf gepackt… jetzt wird es Zeit, den Platz zu stürmen. Aber wie fängt man am besten an?
Verein, Tennisschule oder Freizeitplatz?
Du hast beim Einstieg im Grunde drei verschiedene Möglichkeiten:
- Der klassische Tennisverein: Fast überall gibt es Vereine. Der große Vorteil: Du zahlst einen Jahresbeitrag und kannst (oft nach Online-Reservierung) so oft spielen, wie du möchtest. Zudem bieten Vereine eine tolle Community und Vereinsmeisterschaften.
- Kommerzielle Tennishallen & Center: Hier kannst du Plätze stundenweise mieten, ganz ohne Mitgliedschaft. Das ist ideal, um den Sport erst einmal unverbindlich auszuprobieren.
- Einzel- oder Gruppentraining: Gerade am Anfang lohnt es sich, ein paar Stunden bei einem professionellen Tennistrainer zu nehmen. Er korrigiert deine Haltung, bevor sich falsche Bewegungsabläufe einschleifen. Gruppentraining ist meist günstiger und macht oft doppelt so viel Spaß.
Wie finde ich Spielpartner auf meinem Niveau?
Tennis macht zu zweit (oder zu viert) am meisten Spaß. Wenn du in deinem Freundeskreis niemanden hast, der mit dir zum Schläger greift, gibt es hervorragende Alternativen:
- Spielertreffs im Verein: Viele Vereine bieten wöchentliche „Saison-Eröffnungen“ oder feste Hobby-Treffs an, bei denen jeder einfach vorbeikommen und mitspielen kann.
- Online-Plattformen und Apps: Es gibt mittlerweile spezielle Apps (wie Playtomic oder regionale Facebook- und WhatsApp-Gruppen), über die sich Tennisbegeisterte für spontane Matches verabreden.
- Der Trainer als Vermittler: Frag einfach deinen Trainer. Er kennt das Spielniveau all seiner Schüler und kann dich perfekt mit jemandem zusammenbringen, der genau so weit ist wie du. Später hilft dir dabei auch das offizielle deutsche Leistungsklassensystem (LK). Über die interaktiven DTB-Ranglisten und Ratings siehst du genau, auf welchem Spielniveau sich potenzielle Spielpartner in deiner Region befinden.
Mach dir keinen Stress, wenn die ersten Bälle noch im Zaun oder weit im Aus landen. Tennis ist ein Präzisionssport, der viel Feingefühl verlangt. Worauf es jetzt wirklich ankommt, ist der Spaß am Spiel, die Freude an der Bewegung und dieses eine, absolut süchtig machende Gefühl, wenn du den Ball perfekt triffst. Der Platz wartet, wir sehen uns am Netz!
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